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Mitteldeutsche Zeitung (MZ) - Zeitzer Zeitung am 10.10.2008

Steinmetz aus Zeitz baut an der Saalebrücke in Jena mit
AUFTRAG Vor rund 70 Jahren wirkte Otto Späte am Bau der Autobahnbrücke mit.
Nun ist Christian Späte mit von der Partie.

FOTOS: K.-D. KUNICK
Christian Späte auf der Saalebrücke in Jena. Auf der Hubbühne standen Beschäftigte, um den Sandstein seitlich der Brücke zu säubern. (FOTOS: K.-D. KUNICK)
JENA/ZEITZ/MZ/KDK - Um an der Saalebrücke der Bundesautobahn 4 in Jena mitarbeiten zu können, musste sich Unternehmer Christian Späte aus Zeitz extra eine Brückensäge kaufen. Allein das Sägeblatt hat einen Durchmesser von zwei Metern.

„Das war die einzige Lösung, hier eine mobile Werkstatt einzurichten.“
Christian Späte
Unternehmer

Schon seit einigen Monaten schneiden Jens Gerisch, Torsten Gadomski und Frank Bock damit den Kalkstein, der aus der alten Brücke herausgebrochen wurde, in fünf Zentimeter dünne Scheiben. Diese werden dann wieder an Fehlstellen eingesetzt. Etwa ein Drittel des Kalksteins ist aus den Bergen um Jena damals herausgeholt und verbaut worden. Bis zum Sommer 2009 haben die drei Beschäftigten der Bildhauer- und Steinmetzwerkstatt Späte mit dem Zersägen der Kalksteinblöcke zu tun. „Das war die einzige Lösung, hier eine mobile Werkstatt einzurichten. Die Transportkosten nach Zeitz wären viel zu hoch“, so Späte. Unmittelbar neben der A 4 und der B 88 hat sich der Unternehmer niedergelassen. Auf der gegenüberliegenden Seite, weit hinter der Saale, befindet sich Neu-Lobeda, das Mitte der 60er Jahre errichtete Neubaugebiet.

Als die Brücke Ende der 30er Jahre gebaut wurde, wirkte der Onkel von Christian Späte, Otto Späte, mit. Gut 70 Jahre später werkelt wieder ein Späte an der Sanierung der Saalebrücke mit. An einer Seite der Brücke wurde 1939 von Wilhelm Späte zudem ein Adler in das Bauwerk eingearbeitet. Das verwitterte Werk soll ebenfalls von Christian Späte wieder hergerichtet werden. Aber erst ganz zum Schluss.

FOTOS: K.-D. KUNICK
Bild links: An einer Brückenseite ist der Adler zu sehen, der aufgearbeitet wird. Bild rechts: Im Bild: Jens Gerisch an der Bedienung für die Brückensäge.

Späte staunt über den Zustand der Brücke: „Die war für das Alter noch top in Schuss.“ Das ist darauf zurückzuführen, dass es sich um eine Steinbrücke handelt, die aufgrund der Fugen beweglicher ist als eine starre Betonbrücke. Doch letzten Endes hat das Wasser der Brücke übel mitgespielt. „Das von der Brücke wegzubekommen, war das große Problem.“ Um das Wasser künftig zu bannen, wird die Neigung der Brücke verändert - war diese einst waagerecht, wird diese jetzt ganz leicht gekippt.

Insgesamt ist Späte mit 20 Beschäftigten, zumeist Steinmetzen, bei der Arbeit. Hinzu kommen Subunternehmen wie die TÜ Gebäudeservice aus der Elsterstadt und der Gerüstbauer Schmidt aus Salsitz. 15 Millionen Euro kostet die Sanierung der Saalebrücke. Späte nahm bewusst Firmen aus der Region mit: „Das sind zwei Jahre Arbeit für jeden.“ So wird unter anderem der Sandstein an den 16 Bögen gesäubert, muss die Brücke komplett entsalzt werden und werden Vierungen vorgenommen. Das heißt, defekte Stellen im Sandstein werden vor Ort ausgebessert. Die obersten zwei, teilweise drei Steinschichten der Brücke wurden neu aufgebaut. In 22 Metern Tiefe machen sich weitere Beschäftigte an den 16 Bögen zu schaffen. Mittels einer zweiten Hubbühne, die unter der Brücke über die gesamte Breite der Autobahn reicht, wird ebenfalls Sandstein gesäubert. Zwischen den Bögen verlaufen zwei Eisenbahnstrecken, fließt der kleine Bach Roda sowie die Saale vorbei. Die Brücke ist eines der größten Steinbauwerke Europas. Und das hat es in sich. Späte weist auf eine Besonderheit hin: Die Bögen beherbergen Dohlenbrutstätten. „Wir müssen auf die Dohlen Rücksicht nehmen.“ So gibt es richtige Bausperrzeiten. Der Versuch, die Dohlen in eine Trafostation umzusiedeln, misslang. Die unter Artenschutz stehenden Vögel werden von Wissenschaftlern der Universität Jena ständig beobachtet.

 

Quelle: MZ - Mitteldeutsche Zeitung

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