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Ostthüringer Zeitung (OTZ) vom 07.06.2007
Neffe saniert Brücke seiner Onkel
Mit der Autobahnbrücke über das Saaletal ist auch eine Familiengeschichte verbunden
Von OTZ-Redakteur Lutz Prager
Jena. Einpendler nach Jena konnten in der vergangenen Woche den Aufbau einer riesigen Kreissäge neben der B 88 bei Göschwitz verfolgen.
Die Säge gehört zur Baustelleneinrichtung der Firma Christian Späte aus Zeitz, die mit den Steinmetzarbeiten an der denkmalgeschützten Autobahnbrücke über das Saaletal beauftragt ist. Die Monster-Säge, die Josef Greber von der Mow GmbH aus Widnau in der Schweiz aufgestellt hat, schneidet mit ihrem diamantbesetzten Sägeblatt bis zu fünf Tonnen schwere Kalksteinblöcke in handliche Teile, sogenannte Dranchen. Die werden wiederum von den Steinmetzen in Handarbeit gespitzt, das heißt, sie bekommen die gleiche Oberflächenstruktur wie die in der Brücke verbauten Originale. Etwa zwei Stunden dauert die komplette Herstellung eines Steins aus dem Rohmaterial.
Das Ausfugen und Säubern von 30.000 Quadratmetern Kalksandstein sowie der Austausch von 90 Kubikmetern verwitterter Steine wird sechs Mitarbeiter um Polier Harry Fröhlich zwei Jahre lang beschäftigen.
"Die neuen Dranchen werden vor allem zur Aufstockung der alten Brücke benötigt", erklärt Polier Harry Fröhlich. Da die Straßenbauer eine andere Neigung der Fahrbahn erreichen wollen, muss die Brücke auf der nördlichen Seite um drei Schichten und auf der südlichen um eine Schicht erhöht werden. Dadurch wird auch der Unterbau den künftig wachsenden Tonnagen auf der Autobahn angepasst.
"Zwingend notwendig wäre das aber noch nicht gewesen", meint Fröhlich. "Die Brücke ist derart solide gebaut, dass sie auch ohne die im Zuge des Autobahnausbaus bei Lobeda vorgenommene Sanierung noch viele Jahre gehalten hätte."
Großen Anteil an der Langlebigkeit der zwischen 1936 und 1938 errichteten Brücke haben zwei Jenaer. Wilhelm und Otto Späte bearbeiteten nicht nur die Steine, sondern organisierten auch wesentlich das Bauprojekt. Dass der Chef der heute bauausführenden Firma aus Zeitz ebenfalls Späte heißt, ist kein Zufall. Christian Späte ist der Neffe der beiden Brückenbauer. Vielen Jenaern ist aber vor allem der Firmengründer des Steinmetzbetriebes in der Dornburger Straße neben der Nordschule ein Begriff. Er hieß ebenfalls Otto Späte (1852 - 1925) und verfügte über eine ausgeprägte künstlerische Ader. Er schuf den Erlkönig am Talstein, die Skulpturen am Bismarckturm, das Wappen am Kahlaer Rathaus oder das Grabmal von Carl Zeiß.
Auf seinen Zeitzer Nachfahren Christian Späte wäre er vermutlich sehr stolz, denn der bekommt heute in Nürnberg den mit 7.500 Euro dotierten Peter-Parler-Preis 2007 der Bundesinnung des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks verliehen. Die Restaurierung und Konservierung der Maßwerkfenster des Chorpolygons am Franziskanerkloster zu Zeitz durch Späte gilt in Fachkreisen als beispielhaft.
Quelle: OTZ - OSTTHÜRINGER Zeitung Verlag GmbH & Co. KG